Dies Werk wurde auf den Befehl des Hochgerühmten und edlen Herrn des Herrn
Kraft, Grafen von Hohenlohe, Baron von Langenburg, des hervorragenden
Kriegshelden und Ritters in den deutschen Wirnissen zur Verteidigung dieser
Stadt errichtet im Jahr Christi Geburt 1620 im Monat September von Meister Georg
Kern.
So steht es auf einer Tafel zu lesen, die an der Ostseite des Bürgerturmes
angebracht ist.
Tatsache ist, dass der Turm bei der Verteidigung der Stadt nie
eine große Rolle gespielt hat. Berühmt wurde er allenfalls durch die Geschichte
von „d alt Zichlere“ die, als arme Leute Kind auf dem „Seiturm“ geboren, ihrem
Liebsten, dem Öhringschem Leutnant v. Ölhafen, das Leben rettete. Diese
Geschichte kann, wer Interesse hat, in dem Buch „die schönste G'schitlich vum
alte Gäwele“ von W. Schrader nachlesen.
1835 ist der Bürgerturm so baufällig, dass über seinen Abbruch nachgedacht wird.
Die Bürger der Vorstadt möchten ihn aber als Zierde und wegen der Wetterfahne erhalten
wissen, zudem sei er ein Wahrzeichen der Stadt und ein angenehmer Orientierungspunkt für Wanderer.
Bei der Renovierung im Jahre 1900 brachte der Schmied einen eisernen Anker und
Steinklammern an und legte um den Turm einen Reifartigen Einband von 32m Länge.
Am 3. März 1911 wurde der Turm von den Bürgern der Stadt seiner Durchlaucht Fürst
Christian Kraft zu seinem 75. Geburtstag als Geschenk überreicht. Wie viel Schlitzöhrigkeit
bei der Wahl des Geschenkes mitgespielt haben könnte, muss dahingestellt bleiben. Tatsache ist,
dass die Kosten zur Instandhaltung des Turmes die Bürgerschaft sehr stark belastete.
Am 23. November 1979 übergab Wanderfreund Fürst Kraft zu Hohenlohe Öhringen bei einem
kleinen Essen in der Sonne den vollständig neu renovierten Bürgerturm, vor lauter Ärger
mit den Behörden über die Kosten (ca. 320.000 DM), den Turm an Prof. Dr. Schönamsgruber,
dem damaligen Vorsitzenden des Schwäbischen Albvereines.
Bevor im Jahre 1982 die Einweihung gefeiert werden konnte, wurde der Turm in ca. 3 Jahren
Bauzeit mit über 5500 Stunden Arbeitseinsatz von der OG Neuenstein in das heute bestehende
Wanderheim umgebaut.
Alle, die diesen Umbau mit vollbracht haben, denken heute noch oft an die Strapazen wenn
sie die 59 Stufen zum Thekenraum hochsteigen um dann in aller Ruhe ihr „Viertele“ zu trinken.
Das dieses Vereinsheim uns nicht nur Freude - sondern auch so manches Kopfzerbrechen über
Finanzen, Arbeitseinsatz und und und... bereitet, sollte an dieser Stelle auch nicht unerwähnt
bleiben. Allein die Tatsache, dass wir alle Getränke von ganz unten hier hoch tragen müssen
zeigt eine der Schwierigkeiten schon auf.
Wir wünschen unseren Gästen einen angenehmen Aufenthalt.

Quelle: neuenstein ... in alten bildern, Buch zur 650 Jahrfeier
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